Augmented Reality im Museum
Augmented Reality

Augmented Reality im Museum: technische Umsetzung und Inhalte

10. Juli 2020

Augmented Reality eignet sich perfekt um reale Objekte in einem Museum mit digitalen Inhalten zu erweitern. Eine naheliegende Anwendung ist die Umwandlung des traditionellen Audioguides in eine mobile App. Ein spezielles Zeichen oder Bild weist auf Stationen mit digitalen Inhalten hin. Dieses Zeichen wird gleichzeitig als Marker für die AR-Anwendung verwendet. Die Besucher*innen scannen das Zeichen und daraufhin werden die Inhalte von einem virtuellen Avatar vorgetragen.

Welche Möglichkeiten gibt es für den Einsatz von Augmented Reality im Museum? Was sind die technischen Voraussetzungen dafür? Welche Chancen und Risiken bestehen? Diese Fragen werde ich in diesem Beitrag beantworten und vor allem viele Beispiele herzeigen.

Registrierung: reale und virtuelle Objekte verknüpfen

Wie bei allen Augmented Reality Anwendungen ist auch im Museum die Registrierung ein wichtiger Punkt. Dabei geht es darum, einen Startpunkt für die AR-Anwendung zu definieren. Am einfachsten geht das mit einem visuellen Marker, der z.B. eine beliebige Grafik sein kann. Sobald ein*e Benutzer*in den Marker mit dem Smartphone scannt, weiß die Applikation wo sich ein*e Benutzer*in befindet und wo welche digitalen Inhalte dargestellt werden sollen.

Statt dem Bild-Marker ist es auch möglich, ein dreidimensionales Objekt zu erkennen. Dadurch werden die Exponate eines Museums direkt mit den digitalen Inhalten verknüpft. Hierbei ist es allerdings wichtig, die Erkennung mit allen Exponaten und Beleuchtungen gut zu testen.

Eine andere Möglichkeit sind Bluetooth Beacons. Die Beacons senden Signale an alle teilnehmenden Smartphones in der Nähe. Dadurch kann die digitale Anwendung automatisch gestartet werden, ohne dass Besucher*innen aktiv nach einem Marker suchen muss.

Augmented Reality Hardware

Die einfachste und günstigste Variante ist die Verwendung von Smartphones und Tablets, welche von den Besuchern selbst mitgenommen werden. Besucher*innen ohne geeignetem Smartphone können ein Leihgerät verwenden. Der Vorteil vom eigenen Gerät ist, dass die Applikation weiterführende Informationen oder andere Inhalte nach dem Besuch im Museum zeigen kann. Einfache AR-Anwendungen können im Internet-Browser dargestellt werden. Für neuere Technologien und eine bessere Visualisierung ist eine spezielle App notwendig.

Smartglasses, die üblicherweise ein kleines Display vor einem Auge haben, sind bei der ersten Verwendung oft sehr schwer zu bedienen. Es ist nicht immer klar, wo sich Touchscreen befinden oder mit welchen Befehlen die Sprachsteuerung funktioniert. Außerdem ist die visuelle Darstellung oft nicht zufriedenstellend. Der Vorteil von Smartglasses, dass beide Hände frei verwendbar sind, ist in den meisten Museen nicht relevant.

Augmented-Reality-Brillen wie z.B. Microsoft HoloLens, ermöglichen beeindruckende Anwendungen, bei denen virtuelle Objekte im Raum dargestellt werden. Aufgrund des Preises kann die HoloLens üblicherweise nicht für jeden Besucher bereitgestellt werden. Eher vorstellbar ist, dass ein oder mehrere Geräte fix für eine spezielle AR-Station im Museum verwendet werden. Einen sehr aufwändig gestalteten AR-Bereich kannst du zum Beispiel im CoSA in Graz besuchen.

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CoSA – Center of Science Activities – A(R)dventure mit HoloLens

Eine weitere Möglichkeit bietet die Darstellung mit Projektoren oder mit großen Bildschirmen. Die Interaktion kann z.B. über Gesten oder Bewegungen erfolgen. Generell stehen bei diesen Anwendungen eher die Besucher im Mittelpunkt, und weniger die Museumsobjekte. Im Gegensatz zu anderen Geräten werden die Inhalte von allen Besuchern gleichzeitig gesehen, wodurch gemeinsame Erlebnisse möglich sind.

Inhalte für Augmented Reality im Museum

Hintergrundinformationen

Wie zuvor mit dem Beispiel des Audioguides beschrieben, eignet sich Augmented Reality sehr gut um Hintergrundinformationen zu einem Objekt leicht verständlich zu erklären.

Die Informationen können mittels Audio abgespielt werden oder als Text eingeblendet werden. Die Texte können sich auf spezielle Bereiche eines Objektes beziehen und direkt dort angezeigt werden. Natürlich ist es auch möglich, Videos oder 3D Animationen anzuzeigen.

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Prototyp für das Deutsche Museum – 3D Animationen

Speziell für Kinder, aber auch für Erwachsene, sind interaktive Applikationen eine gute Möglichkeit um spielerisch etwas zu lernen. Beispielsweise ist es möglich, ähnlich wie bei Pokémon Go, nach speziellen Objekten im Museum zu suchen. Wer alle gefunden hat, bekommt eine Belohnung.

Verborgene Daten visualisieren

Gemälde eignen sich besonders gut für Augmented Reality, da die Gemälde selbst für das 3D-Tracking verwendet werden können. Eine spannende Umsetzung ist dem Belvedere gelungen, bei dem die Gemälde mit den Röntgenaufnahmen überlagert werden. Dadurch können die Benutzer*innen direkt die Zwischenversionen und das Endergebnis eines Gemäldes miteinander vergleichen.

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Belvedere – Verborgene Schichten von Gemälden

Im MUSE, dem Wissenschaftsmuseum in Trento, erwachen Dinosaurier-Skelette mit Augmented Reality wieder zum Leben. Die rekonstruierten Körper der Dinosaurier werden exakt über das Skelett überlagert und die Besucher können es von allen Seiten begutachten.

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MUSE – Darstellung von rekonstruierten Dinosauriern

In historischen Gebäuden und Ausgrabungsstätten ist es möglich, frühere Gebäude oder Gebäudeteile virtuell zu rekonstruieren. Die Besucher können sich mittels Augmented Reality ein Bild machen, wie etwas zu früheren Zeiten ausgesehen hat. Die größte Herausforderung ist hierbei natürlich die Rekonstruktion an sich. Das folgende Beispiel zeigt die rekonstruierte Gladiatorenschule in Carnuntum.

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Carnuntum – Darstellung eines antiken Gebäudes

All diese Beispiele verwenden einen der wichtigsten Vorteile von Augmented Reality: Unsichtbares sichtbar machen. Das können vergangene oder zukünftige, versteckte oder unbekannte Informationen sein. Mit Augmented Reality kannst du Zusatzinformationen direkt an dem Ort darstellen, den sie beschreiben.

Digitale Kunst

Augmented Reality kann natürlich auch selbst als Kunstwerk fungieren. Im nachfolgenden Beispiel verwandelt sich das mumok-Gebäude in eine riesige Bühne für verschiedenste spielerische Sequenzen.

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mumokAR – digitale Kunst mit Augmented Reality

Risiken

Gibt es Risiken bei der Verwendung von Augmented Reality? Auf MuseumNext wird über die Gefahr berichtet, dass Personen nur in ihr Handy schauen und vom Rest des Museums abgeschottet sind. Die Sorge hat sich nicht bestätigt, da die AR-Applikationen in vielen Fällen gemeinsam begutachtet und diskutiert wurden.

Eine weitere Frage ist, ob die virtuellen und interaktiven Inhalte zu sehr vom eigentlichen Ausstellungsstück ablenken. Das hängt natürlich sehr stark von der Umsetzung ab. Mit AR hast du die Möglichkeit, virtuelle und reale Objekte zu verbinden und somit eine Vermittlung zwischen Objekt und Besucher*innen zu erstellen. In Museen ist es meiner Meinung nach wichtig, dass die virtuellen Inhalte immer auf das reale Ausstellungsstück verweisen und zentrale Bereiche für die Besucher*innen hervorheben. Das kann durchaus auch mit einem spielerischen Ansatz erfolgen. Visuelle Wow-Effekte und Spielereien, die keinen Bezug zum Ausstellungsstück haben, sind dagegen besser für Werbemaßnahmen oder den Außen- und Eingangsbereich geeignet.

Manche Menschen möchten Augmented Reality bei ihrem Besuch im Museum nicht nutzen. Abgesehen von speziellen AR-Technik-Museen ist das natürlich völlig legitim, denn ein gutes Museum kann allein durch seine Exponate beeindrucken. Mit Augmented Reality kannst du interessierten Personen dennoch einen exzellenten Zusatznutzen bieten.

Chancen

Wie die Beispiele gezeigt haben, gibt es unterschiedlichste Möglichkeiten um Augmented Reality in Museen einzusetzen. Je nach Art des Museums eignen sich verschiedenste Technologien, Geräte und Inhalte.

Digitale Inhalte lassen sich sehr gut auf die verschiedenen Zielgruppen abstimmen. Für Kinder sind andere Texte und Inhalte interessant als für Erwachsene. Durch interaktive Steuerung können sich Expert*innen sehr detailliert über einzelne Themen informieren, ohne dass andere Besucher*innen gleich von zuviel Information überfallen werden.

Wenn Besucher*innen ihre eigenen Smartphones verwenden, kannst du die App für weitere Anwendungen nutzen. Nach dem Besuch eines Museums möchten sich Personen evt. noch weiter informieren oder Freunden und Bekannten etwas zeigen. Das Ziel ist eine Bindung zwischen den Besucher*innen und dem Museum herzustellen.

Weitere Beispiele für Augmented Reality im Museum findest du hier:

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