Color Grading: So einfach funktionieren Farbfilter

Color Grading bei Fotos und Videos ist omnipräsent. Über 18.000 Artikel zeigt die Online-Plattform Etsy zum Begriff „Color Grading“ an. Instagram und viele andere Apps haben Farbfilter integriert. Du musst nur nach rechts (oder links) wischen und dein Foto erhält eine ganz andere Stimmung.

In diesem Artikel zeige ich dir was dahinter steckt und wo du Color Grading überall einsetzen kannst.

Wozu ist Color Grading gut?

Auf deutsch wird Color Grading oft mit Farbkorrektur übersetzt.

Das ist zwar technisch gesehen der richtige Begriff, denn eine Farbkorrektur funktioniert genau gleich wie Color Grading. Allerdings dient Color Grading nicht nur der Korrektur von Bildern. In vielen Fällen ist es eine künstlerische Adaption eines Bildes oder Videos.

Mithilfe von Color Grading kannst du deinen Bildern einen bestimmten Look oder Stil geben. Beispielsweise wirken Bilder wärmer, wenn sie eher ins Orange gehen. Bilder mit hohem Kontrast wirken aufregend und dramatisch. Kontrastarme Pastellfarben wirken dagegen ruhiger.

Farben bieten ein riesiges Spektrum an möglichen Änderungen:

  • dunkler oder heller
  • mehr oder weniger Kontrast
  • rötlicher, bläulicher, grünlicher (oder eine Zwischenfarbe)
  • kräftigere Farben
  • Pastellfarben
  • komplett in Graustufen

Gerade auf Social Media (und hier besonders Instagram) ist ein schöner, einheitlicher Stil wichtig. Wenn du bei deinen Bildern immer den selben Farbfilter anwendest, erreichst du ein harmonisches Gesamtbild auf deinem Profil.

Voraussetzung

Ein wichtiger Hinweis gleich zu Beginn: Color Grading führt nur dann zu einem einheitlichen Stil, wenn du die Originalfotos unter ähnlichen Bedingungen aufnimmst.

Fotos haben unterschiedliche Farbtemperaturen, wenn sie bei Tageslicht, abends oder unter künstlichem Licht aufgenommen werden. Auch verschiedene Kameras nehmen die Farben leicht unterschiedlich auf.

Das heißt natürlich nicht, dass du in diesen Fällen deinen Farbfilter nicht verwenden kannst. Aber teste und optimiere deinen Farbfilter mit typischen Fotos, wie du sie auch später aufnehmen wirst.

Es macht also keinen Sinn, einen Farbfilter anhand von professionellen Fotos vom Fotografen auszuwählen. Und ihn danach auf schlecht belichtete Handyfotos anzuwenden.

Beispiele

Orange & Teal ist ein weit verbreitetes Color Grading in der Filmindustrie. Es betont Orange- und Türkis-Töne und wirkt dadurch sehr dramatisch.

In der folgenden Galerie siehst du ein Color Grading namens „Mint“. Dieses verwende ich oft für Social Media Beiträge. Die Landschaftsfotos sehen damit aber recht flach aus.

Speziell für die Landschaftsfotos probierte ich noch ein Color Grading, das besonders das Grün hervorhebt und das Bild insgesamt in wärmere Farben taucht.

Und zum Schluss zeige ich dir noch die Originalbilder zum Vergleich.

Wie funktioniert Color Grading?

Es gibt unzählige Methoden um die Farben in einem Bild anzupassen. Du kannst direkt die Werte für Helligkeit, Kontrast, Sättigung, etc. anpassen. Genauso kannst du festlegen, ob z.B. Rottöne eher ins Bläuliche verschoben werden.

In diesem Artikel geht es aber darum, wie du einen bestimmten Farbfilter immer wieder anwenden kannst. Denn ein wichtiges Ziel von Color Grading ist ja der einheitliche Look. Dafür ist es aber notwendig, dass du für alle Bilder die gleiche Farbanpassung vornimmst.

Außerdem bist du mit einem fixen Farbfilter viel schneller bei der Bildbearbeitung.

Adobe Lightroom Presets

Hier kommen sogenannte Presets in Spiel. Unter diesem Namen werden in Adobe Lightroom die Parameter für die Bildbearbeitung gespeichert.

Wenn du ein Preset auf ein Bild anwendest, werden alle Parameter automatisch auf die Werte des Presets eingestellt. Somit kannst du die selbe Bildbearbeitung immer wieder auf verschiedene Bilder anwenden.

Hierzu muss ich noch hinzufügen, dass Presets mehr als nur die Farbanpassung beinhalten. Die Einstellungen unter „Effekte“ und „Details“ beinhalten Anpassungen über größere Bildflächen.

Color Lookup Tables

Color Lookup Tables – abgekürzt Color LUTS – sind eine gute Möglichkeit, um Farbanpassungen zu speichern. Sie sind unabhängig von der verwendeten Methode zur Farbanpassung.

Das Prinzip ist simpel: Für jede mögliche Farbe wird in der Color LUT die neue Farbe abgespeichert.

Die Anwendung auf ein Foto funktioniert so: Für jedes Pixel wird der entsprechende Farbwert ausgelesen und anhand der Color LUT durch die neue Farbe ersetzt.

Schematische Darstellung einer Color Lookup Table. Das Color Grading ersetzt alle Pixel im Originalbild durch neue Farben anhand der Color LUT.

Was ist mit Color LUTs nicht möglich?

Color Luts verändern wirklich nur die Farbe. Und zwar für jedes Pixel gleich.

Dementsprechend sind keine Bildbearbeitungen möglich, die über mehrere Pixel agieren. Bilder weichzeichnen oder Kanten hervorheben ist also nicht möglich. Genausowenig wie z.B. Vignetting, das nur die Ränder von Bildern betrifft.

Woher bekommst du Color LUTs?

Viele Programme bieten voreingestellte Filter für das Color Grading. Diese sind sehr einfach anzuwenden.

Allerdings hast du ein Problem, wenn du verschiedene Programme verwendest oder zu einem neuen Programm wechselst. Außerdem kannst du mit den vordefinierten Filtern nicht deinen ganz persönlichen Stil umsetzen.

Farbfilter kaufen

Wie ich schon in der Einleitung geschrieben habe, gibt es zahlreiche Color Grading Packages zu kaufen. Meistens sind dabei mehrere Farbfilter zusammengefasst. Diese kosten meistens nur ein paar Euro. Auf einigen Seiten werden auch kostenlose Color LUTs und Presets angeboten.

Die große Auswahl macht die Entscheidung natürlich schwierig. Ein:e Grafikdesigner:in deines Vertrauens kann dich hierbei sicher gut unterstützen.

Aus technischer Sicht kann ich dir noch folgende Tipps geben:

  • Achte darauf, dass die Beispielbilder ähnlich zu deinen Bildern sind. Deine Indoor-Aufnahmen haben eine ganz andere Farbpalette als z.B. Strandfotos und reagieren daher anders auf die Farbanpassungen.
  • Überprüfe, ob das Dateiformat von deinem Bildbearbeitungsprogramm unterstützt wird.

Farbfilter selber erstellen

Du kannst aber auch relativ einfach eigene Color LUTs erstellen. Wähle die Farbeinstellungen deiner Wahl, z.B. in Photoshop oder Lightroom. Und speichere sie dir als Datei ab. Je nach Programm werden unterschiedliche Dateiformate unterstützt.

Welches Dateiformat?

Das gebräuchlichste Format für Color LUTs hat die Endung cube. Daneben gibt es auch noch 3dl und icc.

Die Daten können aber auch als normales Bild abgespeichert werden. Damit kannst du Color LUTs auch in Programmen erstellen, die Color LUTs nicht unterstützen (wie z.B. Lightroom).

Für die Speicherung als Bild gibt es keine allgemeinen Spezifikationen. Daher musst du die Vorgaben des jeweiligen Programms beachten.

3 verschiedene Varianten, wie Color LUTs als Bild abgespeichert werden können. All drei Versionen zeigen eine neutrale Color LUT – das heißt, es gibt keine Farbanpassungen.

Wo kannst du Color Grading einsetzen?

Fotos

In Photoshop kannst du Color LUTs sowohl importieren als auch exportieren. Verwende dazu eine Einstellungsebene um die Farbe eines Bildes anzupassen. Beim Export werden 3dl, csp, cube und icc Dateien erstellt.

Adobe Lightroom unterstützt leider keine Color LUTs. Wie oben beschrieben werden stattdessen Presets eingesetzt. Diese sind Lightroom-spezifisch und können nicht direkt mit anderen Programmen ausgetauscht werden.

Du kannst Cube-Dateien über Photoshop in Lightroom-Presets umwandeln. Umgekehrt kannst du ein Preset mithilfe des LUT Generators in eine cube-Datei umwandeln.

Videos

Adobe Premiere unterstützt verschiedene Formate für Color LUT, u.a. cube und 3dl. Du kannst also in Photoshop eine Color LUT erstellen und dann in Premiere verwenden. Wähle dazu im Farbpanel die entsprechende Datei im Feld Kreativ/Look.

Auch in DaVinci Resolve kannst du verschiedene Color LUT Formate importieren.

InShot bietet leider nur vordefinierte Farbfilter. Eigene Color LUTs können nicht importiert werden.

Story Filter

In Instagram- und Facebook-Filtern ist Color Grading einfach umsetzbar. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn du für deine normalen Beiträge einen speziellen Farbfilter verwendest. Denn wie wir alle wissen, ein einheitlicher Look ist wichtig.

In der AR-Bibliothek gibt es einige vordefinierte Color LUTs. Lightroom Presets und eigene Color LUTs kannst du in Form eines Bildes hochladen.

Bei den Snapchat Lenses funktioniert das Color Grading mit Color Correct Post Effects. Auch hier wird die Color Lookup Table in Form eines Bildes definiert.

Live Streaming

Willst du deinen Farbfilter auch in Live Streams einsetzen? Das kannst du beispielsweise mit dem kostenlosen Programm OBS (Open Broadcaster Software) umsetzen.

Über Filter/LUT anwenden kannst du ein Bild als Color Lookup Table auswählen. Das Color Grading wird dann auf dein aktuelles Videobild angewandt.

Zusammenfassung

Color Grading bzw. Farbfilter sind ein tolles Tool um besondere Farbstimmungen zu erzeugen. Vor allem für Social Media ist der einheitliche Stil über mehrere Bilder und Videos ein Vorteil.

Die Technik dahinter ist extrem einfach: für jede Farbe wird eine neue Farbe definiert.

Deshalb funktioniert Color Grading auch nur dann gut, wenn das Ausgangsmaterial gut ist. Stark unterbelichtete Fotos werden auch durch einen Farbfilter nicht gerettet.

Infografik zu Color Grading: Ziele, Grundprinzip, Voraussetzung, Dateiformate für Presets und Color Lookup Tables, Anwendungen

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