Instagram Filter & Co – Was kann AR in Social Media?

Vor kurzem hab ich mir Snapchat installiert. Eigentlich bin ich dafür schon zu alt, aber aus beruflichen Gründen musste ich es mal ausprobieren. Daraufhin spielte ich viel zu lange mit den ganzen Filtern und machte viele lustige Selfies: mit blonden und lila Haaren, als Mann mit Bart, in 30 Jahren usw. Nachdem ich sie den Kindern gezeigt hatte, verplemperten wir gleich nochmal soviel Zeit damit.

Was blieb, war die Frage, ob man mit den AR-Filtern in Social Media auch sinnvolle Anwendungen erstellen kann. Denn lustige Selfies zu machen ist leider kein sinnvoller Use Case für ein profitables Geschäft. Auch bei mir war der Selfie-Spaß mit Snapchat nach einem Tag wieder vorbei.

Wie funktionieren Instagram Filter & Facebook Effekte?

Um sich sinnvolle Use Cases zu überlegen, musst du zunächst wissen, welche Möglichkeiten die Technik überhaupt bietet. Die Programme sind sehr fokussiert auf typische AR-Anwendungen in Social Media. Diese sind einfach umzusetzen und funktionieren sehr gut. Wenn du mehr damit machen willst, stößt du aber mitunter an Grenzen und kannst die Technologie nicht wie gewünscht erweitern.

Spark AR und Snapchat Lens Studio

Augmented Reality Filter werden von Snapchat, Facebook und Instagram unterstützt. Snapchat Filter erstellt man im Lens Studio. Für Facebook und Instagram Filter gibt es das gemeinsame Programm Spark AR Studio.

In diesem Beitrag konzentriere ich mich auf die Möglichkeiten von Spark AR, da Facebook und Instagram bei Unternehmen weiter verbreitet sind. Die gleichen Effekte sind auch für Snapchat umsetzbar.

Spark AR Templates für Facebook und Instagram Filter
Die Templates von Spark AR zeigen bereits die technischen Möglichkeiten für Facebook und Instagram Filter.

Personen-Effekte

Face Tracking ist das zentrale Element der meisten Social Media Filter. Die Position des Gesichtes in der Kamera wird laufend ermittelt. Dadurch kannst du 2D- oder 3D-Objekte rund um das Gesicht platzieren. Oder das Gesicht selbst mit einer Textur verändern. Neben der Position des gesamten Gesichtes werden nämlich auch die sogenannten Landmarks, also Augen, Mund etc. erkannt. Dadurch kannst du z.B. Make-Up ganz genau simulieren oder Gesichtsbewegungen auf ein anderes Gesicht übertragen.

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In diesem Filter wird nur die Position des Gesichts übernommen. Das Kamerabild selbst ist nicht sichtbar. Durch Bewegungen des Kopfs oder des Smartphones kann man den Ball treffen. Probier den Effekt selbst aus mit Facebook oder Instagram.

Spark AR unterstützt eine große Anzahl an Gesichtsinteraktionen wie z.B. Augenblinzeln, Lächeln, Nicken, offener Mund, hochgezogene Augenbraue, Kopfschütteln. Mit all diesen Aktionen kannst du die Applikation oder das Spiel steuern.

Hand Tracking ist momentan nur für Facebook, aber nicht für Instagram, verfügbar. Leider werden keine Handgesten erkannt. Maximal für eine Hand wird die aktuelle 3D-Position gemeldet.

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Handtracking ist nur für Facebook verfügbar und bietet leider keine Gestenerkennung.
Probiere den Effekt selbst aus.

Welt-Effekte

World Effects setzen auf Plane Tracking. Eine Ebene, z.B. der Boden oder die Tischplatte, wird automatisch im Kamerabild erkannt und rekonstruiert. Sobald eine Ebene gefunden wurde, kannst du darauf 3D-Objekte platzieren. World Filter funktionieren nur mit der Rückkamera.

Die Möglichkeiten sind um einiges eingeschränkter, als man es von anderen AR Frameworks gewohnt ist. Es wird nur eine Ebene unterstützt und man erhält keine Informationen über die Ausmaße der Ebene. Das Hauptaugenmerk liegt eindeutig auf den Inhalten, welche am ersten geeigneten Platz anzeigt werden.

Eine andere Möglichkeit zur Positionierung in der realen Welt sind Image Targets. Virtuelle Elemente werden relativ zu einem vordefinierten Bild, welches sich in der realen Welt befindet, dargestellt. Das Bild kann z.B. ein Plakat oder ein Bild in einer Zeitschrift sein.

Kamera-Effekte

Viele Effekte spielen mit dem Kamerabild. Ein einfacher Effekt ist, nur die Person anzuzeigen und das Hintergrundbild auszutauschen. Oder einen Bilderrahmen zu generieren. Das Kamerabild oder Teile davon können mit diversen Bildeffekten bearbeitet werden. Partikeleffekte sind auch sehr beliebt um einer statischen Szene Dynamik zu verleihen.

Die Grenzen zwischen Bildbearbeitung und Augmented Reality verschwimmen hier. Es geht darum, schöne Bilder und Videos zu erstellen. Manche Effekte verwenden räumliche Informationen wie z.B. die Position des Gesichtes, aber es ist nicht zwingend nötig.

Welche Anwendungen sind mit Instagram Filter möglich?

Facebook will mit den Augmented Reality Effekten möglichst viele Menschen auf der eigenen Plattform halten. Für Unternehmen stellt sich die Frage, ob das für ihre Anwendungen gut oder schlecht ist. Dazu sehen wir uns mal an, für welche Anwendungen Social Media Filter überhaupt Sinn machen.

Werbung

Die Hauptmotivation für AR Filter auf Facebook und Instagram ist eindeutig Werbung. Egal, ob es sich um einen simplen Selfie-Filter oder ein ausgeklügeltes 3D-Spiel handelt: Das Ziel ist mehr Reichweite, Likes und Interaktionen zu erzielen.

Dafür bietet die Spark AR Plattform auch die richtigen Tools. Die technischen AR-Möglichkeiten reichen zwar bei Weitem nicht an andere AR Frameworks heran. Dafür gibt es sehr gute Vorlagen für intuitive User Interfaces und viele Möglichkeiten für die Inhalte. Die Fokussierung auf das Face Tracking ist für Social Media auf jeden Fall die richtige Wahl.

Die einfache Verbreitung einer Anwendung ist ein großer Vorteil von Social Media. Benutzer*innen können die Effekte einfach ausprobieren, ohne eine eigene App installieren zu müssen. Und sie können den Effekt direkt allen Kontakten zeigen und somit weiter verbreiten.

Personalisierung und Branding

Vor allem die Kamera-Effekte eignen sich hervorragend, um deine Stories und Reels unverkennbar zu machen. Durch deine eigene visuelle Gestaltung erhöhst du den Wiedererkennungswert deiner Inhalte.

Anhand deiner Corporate Identity kannst du Farben und dein Logo in die Filter integrieren. Beim Logo musst du nur aufpassen, dass es nicht zu prominent ist und wirklich zu der Gestaltung passt. Von Facebook wird es nicht gern gesehen, wenn das Logo einfach oben drauf platziert wird.

Aber auch ausgefallenere Filter sind für das Branding möglich. Von Disney gibt es z.B. einen Filter mit Mickey Mouse Ohren. Weitere Beispiele findest du in diesem Artikel oder auch in diesem.

Instagram Filter-Bundle

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Mithilfe von 10 Filter-Vorlagen und der Video-Anleitung erstellst du ganz einfach deinen persönlichen Instagram-Filter. Um das Bundle zu testen, kannst du eine Vorlage kostenlos ausprobieren.

Produktpräsentation

Eine große Hoffnung von AR in Social Media sind Produktpräsentationen. Bei Snapchat gibt es seit kurzem sogar die Möglichkeit, Produkte direkt im AR Filter zu kaufen.

Aufgrund des guten Face Trackings eignen sich AR Filter sehr gut für Produkte, die am Kopf getragen werden. Das sind Make-Up, Schmuck, Brillen und alle möglichen Formen von Kopfbedeckungen. Hervorragend eignen sich auch Möbel oder Bilder, da sie in der tatsächlichen Umgebung dargestellt werden können. Es handelt sich also um ein virtuelles try-before-you-buy: du kannst schon im Vorhinein testen, wie ein Produkt aussehen wird. Weitere Beispiele findest dazu findest du auch in meinem Artikel, wie man mit AR Unsichtbares sichtbar machen kann.

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Die Platzierung von Möbelstücken in AR ist mit Facebook und Instagram Filter möglich.
Probiere die Anwendung selbst aus.

Natürlich können auch andere Produkte in Augmented Reality dargestellt werden. Sie können einfach am Tisch oder einer anderen Ebene platziert werden. Es sollte allerdings schon einen Zusatznutzen geben im Vergleich zur Anzeige am Handy-Display. Für sehr einfache Produkte ist dieser Zusatznutzen eher nicht vorhanden. Für komplizierte Objekte, wie z.B. große Maschinen oder Gebäude, erleichtert die AR-Darstellung die Begutachtung von allen Seiten.

Weitere Möglichkeiten für Instagram Filter & Co?

Die Anzeige von Zusatzinformationen ist eine klassische Anwendung von Augmented Reality. Das könnte zum Beispiel ein Trailer zu einem Filmplakat sein oder Herkunftsinformationen für Nahrungsmittel. So etwas ist theoretisch auch mit Spark AR möglich. Allerdings verwendet man Facebook und Instagram Filter nicht für sich selbst. Man verwendet sie um dann ein Video davon zu teilen. Daher machen diese Anwendungen meiner Meinung nach nur in der Kategorie Werbung Sinn. Abgesehen davon fehlen ein paar technischen Möglichkeiten, wie z.B. die Einbindung großer Bildmengen aus der Cloud.

Eine weitere Anwendung von Augmented Reality ist der Austausch von Informationen. Speziell über Objekte und räumliche Informationen. Reale Objekte im Video zu markieren, kann für verschiedene Anwendungen sinnvoll sein. Ich kann mir zum Beispiel Lehr- und Anleitungsvideos gut vorstellen, bei denen reale und virtuelle Objekte miteinander verknüpft werden. Aber auch wenn ich auf spezielle Dinge in meiner Umgebung aufmerksam machen möchte, können AR-Markierungen sinnvoll sein.

Fazit

Sind Instagram Filter & Co nun sinnvoll oder nicht für Augmented Reality Anwendungen?

Ich finde, AR Filter sind optimal für Produktpräsentationen. Vor allem dann, wenn das Prinzip try-before-you-buy umgesetzt wird. Dann bieten sie den Konsument*innen einen echten Mehrwert. In Kombination mit anderen Kampagnen auf Social Media kannst du so ein Produkt sehr gut präsentieren. Wenn die Filter dann noch geteilt werden, bekommst du auch einen schönen Werbeeffekt.

Auch andere Werbeaktionen können mittels Facebook und Instagram Filter gut umgesetzt werden. Dabei kannst du die aktuelle Beliebtheit von Videos und Stories gut nutzen. Allerdings sind die AR-Elemente in diesem Fall nur ein Mittel von vielen und die Konkurrenz ist schon sehr groß. Wichtig ist, dass der Effekt Spaß macht oder eine gute Geschichte erzählt und somit geteilt wird. Als Plattform passt für diese Anwendungen Instagram besser. Auf Facebook sind die Effekte eher versteckt.

Ein weitere gute Anwendung ist die Personalisierung deiner eigenen Stories und Reels auf Instagram. Wenn die Filter anhand der eigenen Corporate Identity gestaltet sind, erhöht das den Wiedererkennungswert der eigenen Inhalte und stärkt die eigene Marke.

Für komplexere Anwendungen reichen die technischen Möglichkeiten von Social Media AR oft nicht aus. Hierfür sind eigene AR Apps oder Web-Anwendungen nötig. Auch Anwendungen, die deine Kund*innen nicht mit allen Kontakten teilen möchten, sind außerhalb von Social Media besser aufgehoben.

Möchtest du gleich deinen eigenen Filter erstellen? Du schau dir meine Anleitung zum Erstellen deines ersten Instagram-Filters an.

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