Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt

Diese Blogparade von Technikelfe Sara Menzel-Berger habe ich erst einen Tag vor der Deadline gesehen. Aber ich wollte trotzdem noch unbedingt dabei sein, weil dieser Satz so einiges bei mir ausgelöst hat: Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt. Zum einen auf einer sehr persönlichen Ebene und zum anderen auch ganz speziell zu meinem Fachgebiet.

Virtuelle Welt

Ich fange mal mit letzterem an – meinem Fachgebiet. Ich beschäftige mich in meinem Unternehmen mit Augmented und Virtual Reality. Dabei gibt es verschiedene Welten oder Realitäten. Einerseits die ganz normale Welt rund um uns herum und andererseits virtuelle Welten. Und dann gibt es noch die Möglichkeit, beides miteinander zu vermischen.

Bei Augmented Reality wird der realen Umgebung noch etwas hinzugefügt. Das kann etwas ganz einfaches sein, wie z.B. virtuelle Confetti für einen Filter auf Social Media. Oder etwas sehr komplexes, wie eine komplett neue Wohnzimmereinrichtung

Das bedeutet, ich kann mir die Welt so anpassen, wie sie mir gefällt. Ich kann mir überlegen wie ich meine Umgebung gerne hätte, zum Beispiel wie meine Wohnung in Zukunft aussehen wird. Ich kann aber auch die aktuelle Umgebung etwas aufpeppen und mir beispielsweise für eine Video-Aufnahme einen schönen Rahmen geben. 

Bei Virtual Reality setze ich ein Headset auf und tauche komplett in eine andere Welt ein. Die reale Umgebung wird zumindest visuell ausgeblendet. Diese virtuelle Welten sind tatsächlich von mir gemacht. 

Beispiel für eine Virtual-Reality-Welt
Beispiel eines aktuellen Virtual-Reality-Projektes von mir.

Eine virtuelle Welt könnte natürlich auch gar nicht schön sein. Sie könnte furchtbare Dinge zeigen oder bei den Benutzer*innen schlechte Gefühle hervorrufen. ABER, hier kommt wieder der Titel ins Spiel: Wir machen uns die Welt, so wie sie uns gefällt. Von mir wird es keine brutalen Ego-Shooter geben, keine manipulativen Spiele und ganz bestimmt keine Social Media Filter, die junge Mädchen zu einer Schönheits-OP raten. 

Ich nehme nur Aufträge an, mit denen ich mich auch wohlfühle. Etwa ein VR-Training, mit denen Menschen ihre Sprachkenntnisse verbessern können. Oder Instagram-Filter, die zwar nicht die Welt verändern, aber ein bisschen Spaß verbreiten.

Das bringt mich zum nächsten Punkt – meiner Arbeitswelt.

Meine Arbeitswelt

Vor einem Dreivierteljahr machte ich mich selbständig. Offiziell hatte ich schon vor zwei Jahren das Gewerbe angemeldet, aber dann doch wieder einen Rückzieher gemacht und eine Festanstellung angenommen. 

So richtig wohl fühlte ich mich in der Konzernwelt schon seit der Karenz für meine erste Tochter nicht mehr. Es gab keine offene Diskriminierung oder andere schlimme Probleme. Ich passte nur einfach nicht mehr rein. Auch der Ausflug in ein Forschungsprojekt führte zu keiner Verbesserung, eher im Gegenteil. Den finalen Auslöser brachte dann Corona. Es war sehr schwierig, Kinderbetreuung und Erwerbsarbeit gemeinsam zu schaffen. Ich habe mich sehr angestrengt, nichts davon zu vernachlässigen und auf jeden Fall meine Arbeitsstunden zu absolvieren. Nun ja, der Firma war es zu viel Home-Office, aber das ist eine andere Geschichte.

Es geht darum, was danach passierte. Ich bin endlich gesprungen und hab mein Unternehmen ernsthaft gegründet. Bis jetzt bereue ich es nicht. Natürlich gab es auch Momente, in denen ich sehr stark gezweifelt habe. Die gibt es immer noch. Aber die Perspektive stimmt und die Arbeit bereitet mir sehr viel Freude. Es zehrt nicht an meinen Kräften, abends noch für mein Unternehmen zu arbeiten. Es passiert einfach automatisch, weil ich es gerne mache.

Meine Arbeitswelt hat sich komplett verändert im Vergleich zu früher. Ich liebe es zum Beispiel, mit wie vielen Frauen ich mittlerweile zu tun habe (früher saß ich oft als einzige Frau im Raum). Meine Fachgebiet ist relativ untypisch für eine Solo-Unternehmerin, aber ich werde einen guten Weg dafür finden.

Meine ursprüngliche Arbeitswelt zu ändern, sodass sie zu mir passt, habe ich nicht geschafft. Aber ich habe eine neue gefunden, auf die ich mehr Einfluss habe.

Meine Wunschwelt

Als Frau in der Technik hatte ich manchmal diesen Gedanken im Hinterkopf: Ich muss es schaffen, ich muss zeigen, dass dieser Beruf auch für Frauen geeignet ist. Es fiel mir aber immer schwer, mich richtig zu vernetzen. Da war ich einfach nicht der Typ dafür. Mit etwas Abstand denke ich, es wäre mir vielleicht in einer anderen Branch leichter gefallen. Oder auch nicht, wer weiß das schon.

Pippi Langstrumpf in der Villa Kunterbunt.
 Pippi Langstrumpf: Ich mach‘ mir die Welt Widdewidde wie sie mir gefällt

Ich wünsche mir, dass sich meine Töchter keine Gedanken darüber machen werden, ob ein Beruf oder eine Branche für sie als Frau geeignet ist. Dass es für den Arbeitgeber keinen Unterschied mehr macht, ob eine Frau oder ein Mann Kinder bekommt. Es sollte einfach selbstverständlich sein, dass Eltern in Karenz gehen, sich um die Kinder kümmern und je nach Wunsch in dieser Zeit weniger Erwerbsarbeit nachgehen.

Ich wünsche mir, dass es genug Unternehmen gibt, die darauf achten, dass sich alle Menschen wohlfühlen. Dass es keine Hürden für Mädchen gibt, aber auch nicht den Druck, immer alles perfekt vereinbaren zu können. Mit meiner Selbständigkeit kann ich das bereits jetzt für mich umsetzen. In Zukunft möchte ich auch andere dabei unterstützen.

3 Kommentare

  1. Liebe Irene,

    da haben wir zwei ganz ähnliche Wünsche 🙂
    Ich finde auch, dass man einfach frei entscheiden können sollte welchen Beruf man ausübt, welchen Interessen man nachgeht und wie man sein eigenes Leben gestaltet. Wunderbar, dass du dazu beiträgst dies ein Stück weit möglich zu machen, indem du den Mut hattest dich selbständig zu machen. Das beeindruckt mich!

    Ich bin schon gespannt, was sich auf dem Gebiet der Augmented Reality in Zukunft so tun wird und ob die Hardware jemals erschwinglich wird 🙂

    Herzliche Grüße
    Sara

    • Liebe Sara,
      vielen Dank für diese netten Worte und natürlich für die tolle Blogparade!

      Und ja, ich denke schon, dass sich bei der Augmented-Reality-Hardware in den nächsten Jahren einiges tun wird.

      Liebe Grüße,
      Irene

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